Gymnasium Kirn

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Frauen

Frauen bekamen ab einer bestimmten Anzahl von Kindern eine Auszeichnung: das Mutterehrenkreuz. Eines Morgens kamen zwei Männer vom Amt in Bad Kreuznach und wollten meiner Mutter dieses Kreuz überreichen. Diese rannte in den ersten Stock in ihr Schlafzimmer, denn sie wollte diese Auszeichung des Hitlerregimes nicht annehmen. Die Beamten übergaben das Kreuz daraufhin ihrer Schwester, die sich in der Küche aufhielt. Diese nahm es an, ohne den Irrtum aufzuklären."

 

Für Mädchen gab es den BDM, den Bund Deutscher Mädchen und die Jungmädel (für Mächen von 10 bis 14). Dort hat man sich unter der Woche getroffen, wurde nach Hitlers Willen erzogen und machte Ausflüge und Sport.

 

Die Frauen mussten im Krieg die ganze Arbeit machen, die Männer waren ja nicht da. Wir auf dem Land hatten es noch ziemlich gut, da wir ja Selbstversorger waren, nur mit der Kleidung wurde es oft knapp. Da kamen immer die Leute aus dem Obersteiner Raum und haben mit uns Kleider für Essen getauscht. Einmal bekam ich so ein schönes rotes Kostüm. In dieser Zeit kam auch das Spinnen wieder auf. In meiner Kindheit wurde nicht mehr gesponnen, erst wieder im Krieg. Und die Strümpfe und Röcke haben wir aus Wolle gestrickt. So etwas würde ich jetzt nicht mehr anziehen. Aber es ging uns damals nicht schlecht, wir waren nicht am verhungern. In dieser Zeit war man sehr erfinderisch, zum Beispiel haben wir auch Strohhüte und -schuhe selbstgemacht. Auch haben wir 'Fleischklöße' aus Weizen gemacht, es hat gut geschmeckt und ich würde es heute gern wieder essen.

 

Auch wir versteckten uns. Die Mädchen sollten abgeführt werden und zu den Soldaten. Es sollten für das deutsche Reich Kinder gezeugt werden. Manchmal versteckten wir uns mit 4 Mädchen im Backofen um nicht von Soldaten abgeholt zu werden. Man will gar nicht mehr daran erinnert werden, so schrecklich war diese Zeit. Auch als der Krieg zu Ende war, hatten wir von Soldaten keine Ruhe. Man konnte nicht mehr allein aus dem Haus gehen. Als wir eines Tages auf dem Feld arbeiteten kam meine Freundin mir entgegen und rief 'Da war ein amerikanischer Soldat! Der wollte mich vergewaltigen!' Man war nirgends sicher vor ihnen.

 

Eine Zeit lang lebte ein Mädchen bei uns. Sie kam aus Trier. Von dort wurde sie weggeschickt. Wir nahmen sie auf und sie wollte gar nicht mehr weg. Als der Krieg zu Ende war nahm sie sich einen SS-Karren. Es war ein Karren mit 2 großen Gummirädern an den nur ein einziges Pferd eingespannt werden konnte. Sie legte ihre Sachen auf den Karren und zog ihn bis nach Trier, nur um zu sehen ob ihr Haus noch steht. Bis nach Trier sind es 100 km. Irgendwann stand sie wieder vor unserer Tür ohne den Karren. Sie wusste noch das ihre Familie die wichtigen und wertvollen Dinge vergraben hatte. Von den Möbeln war nichts mehr übrig, sie wurden alle geklaut. Ihre Mutter weinte tagelang, und dachte das ihr etwas passiert ist.

 

Mädchen ab 16 Jahren mussten auf einem Bauernhof arbeiten und der Familie ihren Dienst erweisen.