Gymnasium Kirn

Sie sind hier: Startseite » Projekte » Unterrichtsprojekte » Kirn erinnert sich » Krieg

Kriegserlebnisse

Ich kann mich daran erinnern, dass ich mit meinen Eltern bei Fliegeralarm in einen der Kirner Luftschutzbunker (heutiger Parkplatz vor Gasthaus Hombrücker) gelaufen sind um uns vor den heranfliegenden Flugzeugen zu schützen. Ich bin, da ich noch ein kleines Kind war, von Arm zu Arm im Bunker herumgereicht worden. Weitere Bunker in Kirn gab es unter dem Friedhof und nahe der Kyrau, in dem sich mein Mann früher vor den Bombern schützte.

 

Mit 17 Jahren wurde man von der Wehrmacht eingezogen und konnte sich nach der Ausbildung seine weiteren Lebensweg in der Deutschen Armee bestimmen. Wie einer der Informanten, welcher zu den Fallschirmspringern beitrat. Dazu war erforderlich, dass man eine entsprechende Größe hatte und sportliche Leistungen erbringen konnte. Wer sich nicht freiwillig einschrieb, wurde eingezogen und hatte keinen weiteren Einfluß auf seine Zukunft in der Wehrmacht. So wurde der zweite Befragte ein Frontkämpfer. Eine andere Erfahrung machte der dritte männliche Befragte, der einem Kriegseinzug durch eine vorgetäuschte ansteckende Schuppenflechte verhinderte, die eigentlich eine harmlose Milchalergie war. Dies wurde möglich durch ein Attest des befreundeten Arztes aus der Umgebung. Die grausamste Erfahrung machte der letzte Befragte. Er arbeitete eine Zeit in einem polnischen KZ. Was er dort genau machen musste, konnten wir aus dem Gespräch nicht entnehmen, da es ihm immer noch sehr schwer gefallen ist über den Krieg und die Ereignisse zu sprechen. Anschließend wurde er in ein französisches Gefängnis gebracht, in welchem er 3 Jahre seines Lebens eingesperrt war.

 

Nach dem Krieg nach meiner Einschulung gab es in der Schule einheitlich Schulspeisen. Einmal in der Woche gab es ein Stück Schokolade. Dieser Tag war immer sehnsüchtig erwartet, da Schokolade zu dieser Zeit nicht selbstverständlich war. Beim Einmarsch der Amerikaner befand sich mein Mann bei seinen Großeltern in Birkenfeld. Sie freuten sich über die Ankunft, da die Amerikaner Deutschland vom Hitler-Regime befreiten. Seit diesem Zeitpunkt gibt’s es das Bollenbacher Lager was zu dieser Zeit als Umschlagplatz für Nahrungsmittel gedient hatte.

 

Meine Einheit bestand aus einem Kradschützenbataillon. In Kirn wurden wir ausbildungsmäßig auf den Afrikafeldzug vorbereitet. Wir wussten während dieser Zeit aber noch nicht, dass wir in Nordafrika gegen die Montgomery-Panzerarmee der Engländer zum Kriegseinsatz kommen würden. In der ehemaligen Fabrik Schweigert in Kirn wurden wir mit unseren Tropenuniformen ausgestattet und dann erfolgte vom Kirner Bahnhof aus die Abreise des geschlossenen Kradschützenbataillons per Truppentransport auf der Schiene bis Neapel. Nach kurzem Aufenthalt in einer italienischen Kaserne erfolgte die Einschiffung des gesamten Bataillons und die Überfahrt übers Mittelmeer zum Kriegsschauplatz Nordafrika mit der Landung in Tripolis. Während der Überfahrt wurden zwei Schiffe von englischen U-Booten durch Torpedos versenkt.Wir hatten keine Menschenverluste, da wir unsere Kameraden sofort aus dem Wasser fischten, jedoch das geladene Kriegsmaterial war verloren. Genau um 23.45 Uhr, am 05. April 1941 betraten wir afrikanischen Boden. Am Himmel standen schwebend über uns englische Leuchtschirme, so dass es taghell war. Das war unsere Begrüßung mit Bombenabwurf auf den Tobruker Hafen von unserem Kriegsgegner - England!!! Zum Schutz gegen Bombensplitter konnten wir Splitterschutzgräben aufsuchen. Das war meine erste 'Feuertaufe' als junger Soldat und nun wurde mir der Ernst des Kriegs erst richtig bewusst.

 

Wir mit unserem Bataillonsstab wechselten die Frontstellung, während an diesem 21. April 1942 die gesamte englische Armee aus Libyen über die libysch-ägyptische Grenze zurückgeworden wurde. Die Erfolgseroberung war der Halfaya-Pass bei Obersolum. Unsere neu bezogene Bataillonsstellung fand zwischen Torbruk und Bardia statt (direkt an der Meeresküste). Man sagte uns, dass wir unsere Zelte vierzig Zentimeter tief in den Wüstensand eingraben sollen - zum Schutz vor Splitter der Schiffsgranaten und der Bomben. Als wir alle unsere Zelte, auch Fahrzeuge in den Wüstensand versenkt hatten, gab es plötzlich in der Abenddämmerung Fliegeralarm mit dem Ruf: 'Volle Deckung!'. Da ich von meinem Zelt zu weit weg war, sprang ich vor Aufregung unter unseren Sanitätswagen. Zuvor schaute ich noch zum Himmel über dem Meer, wo ich drei rote Punkte auf uns zukommen sah. Zugleich flogen aber auch die drei Bristel-Blenheim Jagdbomber davon. Nachdem es krachte, wusste ich, dass auf unsere Einheit abgeworfen worden war. Da ebenfalls Bombensplitter beide hintere Reifen des Santitätswagens trafen, sackte dieser ab und das Achsdifferential drückte mir ganz enorm auf meinen Rücken. Doch zum Glück verletzte ich mich nicht! Als ich unter dem Wagen herausgekrabbelt war und zum einem Zelt lief, war dieses nicht mehr vorhanden. An der Stelle war ein im Durchmesser drei Meter großer Bombentrichter. In der Mitte waren Rohrstücke meines Zeltgerüstes zu sehen. Ich griff danach und zog mein ganz durchlöchertes Zelt aus dem Bombentrichter heraus. Nach der Druchsuchung meiner dort aufbewahrten Habseligkeiten, fand ich meine Brieftasche mit einer abgerissenen Ecke vor. Das war alles, was ich noch besaß!

 

Am Abend gingen wir meist gegen 19.30 Uhr schlafen. Oft gab es um diese Zeit schon Voralarm. Die Luftmeldestellen z. B. an der Küste gaben dem Inland per Funk bekannt, dass feindliche Luftverbände (Bombenflugzeuge) im Anflug auf das Reich sind. Griffbereit stand dann immer Notgepäck und Verpflegung. Jeder wusste genau, was er mitzunehmen hatte und spätestens beim Hauptalarm, angezeigt durch einen langen auf und ab heulenden Ton, ging es aus der dritten Etage in den unter dem Haus befindlichen Luftschutzkeller. Ein tiefer in Naturstein gemauerter Raum, in dem sich Mauerdurchbrüche zum Nachbarhaus befanden, die man als Fluchtmöglichkeit angelegt hatte. War ein Haus nach einem Bombentreffer verschüttet konnte man sich so durch den Nachbarkeller in Sicherheit bringen. Je nach Dauer des Angriffs gab es dann wieder durch einen lang gezogenen Dauerton der Sirene Entwarnung. Bei Bombenalarm am Tag hatten die Menschen, wenn sie auf der Straße unterwegs waren, die Möglichkeit, in so genannten öffentlichen Luftschutzkellern unterzukommen. Oft fand, wenn der Alarm schon am Morgen war, kein Unterricht statt.

 

Anfangs wurden eher größere Städte bombardiert. Da das Weingut etwas höher an einem Hang lag, konnte man von dort aus rechts den erleuchteten Himmel über Mannheim und Ludwigshafen und links über Mainz und Frankfurt sehen. Dann wusste man, dass dort wieder Bomben gefallen waren.
Nachts bin ich oft aufgewacht, wegen des Lärms, den die Aufklärungsflugzeuge gemacht haben. Danach kamen dann meistens die Geschwader und ließen Bomben fallen. Später wurde auch Bad Kreuznach bombardiert (vor allem die Bahnlinie). Wenn Bombengefahr bestand, gab es zuerst Voralarm. Wenn die Flieger näher kamen, wurde der eigentliche Alarm ausgelöst. Dann gingen wir alle in den Weinkeller um in Sicherheit zu sein. Um 1944 wurde Bad Kreuznach erstmals am Tag angegriffen. Dann kamen Leute aus der Stadt um in unserem Weinkeller Schutz zu finden. Sogar bei der Kartoffelernte wurden die Arbeiter von Tieffliegern beschossen. Sie konnten sich allerdings noch in die Sträucher am Rand des Feldes retten.”

 

Am schlimmsten war es für mich, als die Bomben auf Sulzbach fielen. Als die Opfer beerdigt wurden, bin ich früh morgens - sie wurden ganz früh beerdigt, um Menschenansammlungen zu vermeiden - mit dem Rad nach Sulzbach gefahren. Mein Vater hat geholfen, die Trümmer wegzuräumen. Wären sie nicht in den Bunker gegangen, würden sie noch leben. Ich bin nie in den Keller gegangen, ich musste die Flugzeuge immer sehen, die Keller haben eh nichts gebracht. Bei uns ist auch mal ein Bauer mit seinen Kühen mitten auf der Wiese von einer Bombe getroffen worden, in Sulzbach auch. Da hat man sich nicht mehr rausgetraut.“

 

„Bei uns wurden auch Soldaten einquatiert, die von der Front kamen. Wir haben dann auf dem Boden unserer Stube Stroh ausgebreitet, da haben sechs, sieben Stück draufgeschlafen. Dann haben wir noch ein Bett in den Raum gestellt. Da hat dann ein Unteroffizier drauf geschlafen.

 

Wir hatten Bunker in einen Berg gebaut. Als die Sirene (Fliegeralarm) anfing, stürmten alle Leute aus ihren Häusern und kamen dort hinein. Mit 40 – 50 Menschen hatten wir dort immer auf das Verschwinden der Flieger gewartet.”

 

“Von Flüchtlingen, die bei uns unter kamen, erhielten wir Pferde mit denen mein Vater und ich auf den Acker loszogen. Als Flieger uns sahen, kamen sie im Tiefflug hinunter und schossen mit Maschinengewehren auf uns. Die Hochspannungstürme retteten uns, da sie dadurch nicht näher kommen konnten. Wir flüchteten in den Wald und warteten, bis sie verschwanden. Einige Tage später hörten wir, dass diese Truppe einen Bauer in Hennweiler getötet hat.”

 

“Viele Saarländer kamen in unser Gebiet, die Sachen, wie zum Beispiel Gläser und Kleidung, gegen Essen tauschen wollten. Da meine Eltern Landwirtschaft hatten und es bei uns keine Hungersnot gab, bekamen sie von uns etwas ab.”

 

“Mein Bruder musste durch den Wehrdienst nach Russland. Dort wurde er in Gefangenschaft genommen. Er brach aber mit zwei anderen Kameraden aus. Sie mussten von Russland nach Deutschland marschieren. Über Tag versteckten sie sich und schliefen, nachts sind sie gewandert. Zum Glück war ich erst 16 und musste nicht zum Militär.”

 

Zu Beginn des Jahres 1943 wurde eine Sondereinheit in unserem Dorf stationiert. Die legendären Raketen V1 und V2 sollten von dieser Sondereinheit abgeschossen werden. Diese Stationierung blieb auch den damaligen Feinden nicht unverborgen und unser Dorf wurde von amerikanischen Bombern angegriffen. Die sogenannte „Hoxler Brücke“ welche zum Nachschub für die Raketenstation dringend gebraucht wurde, wurde zerstört. Dadurch wurde der Abschuss der Raketen lahmgelegt. Es wurde erzählt, dass Saboteure an den Raketen tätig waren, da die meisten abgeschossenen in der Eifel niedergingen. Deshalb wurden sie im Volksmund auch „Eifelschreck“ genannt.

 

Eines Nachts war der Himmel hell erleuchtet. Dies war ein Angriffszeichen der amerikanischen Bomber. Voller Angst rannten wir in den Keller. In dieser Nacht wurde der Wehrmachtsstandort Idar-Oberstein angegriffen. Im April 1945 morgens gegen 10 Uhr wurden wir von den amerikanischen Truppen überrascht. Unser damaliger Pastor Herr Haus nahm ein weißes Leinentuch, stieg auf den Kirchturm und hisste das Tuch als Zeichen der Kapitulation. Die Amerikaner besetzten unser Dorf. Der einzige, welcher sich mit den Amerikanern unterhalten konnte, war unser Pastor. Die Bewohner mussten alle ihre Häuser verlassen und sich auf dem Kirchplatz versammeln. Die Soldaten durchsuchten jedes Haus nach deutschen Soldaten, vor allen Dingen nach Soldaten der SS. Als dann das Ende des Krieges bekannt wurde, war trotz aller Propaganda und Durchhalteparolen der damaligen Führung die Erleichterung in der Bevölkerung deutlich spürbar.

 

In Kirn waren die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf Ausländer und Juden sicher nicht so verbreitet wie in anderen Teilen von Deutschland. So wußten unsere Gesprächspartner nur von drei abtransportierten Juden aus Simmertal. In St.Ingbert im Saarland wurden die Juden eher im Geheimen und vereinzelt abtransportiert. Unsere Befragten kannten eine Familie, welche in ein KZ gebracht wurde, ansonsten nur Erzählungen.

 

Kindheit geprägt von Kriegserlebnissen: geb. im Mai 1933 als ältester Sohn einer fünfköpfigen Familie, Vater ist städtischer Angestellter (geb. 1902); Mutter ist gelernte Weberin (geb. 1901); Geschwister sind 3 und 4 ½ Jahre jünger. Vater wird als städtischer Angestellter automatisch in den Dienst bei der SA gezogen.

 

Im Alter von 6 Jahren im September 1939 bekam ich den Krieg zum ersten Mal am eigenen Leib zu spüren als unsere Mama mir und meinen Geschwistern erklärte, dass Papa zu den Soldaten gehen muss. Sie versuchte uns klarzumachen, dass er in Zukunft nicht mehr wie vorher nach der Arbeit heimkehrt, sondern mit vielen anderen Soldaten, die auch Kinder haben, die auch ohne Papa auskommen müssen, in einer Kaserne wohnen wird. Besonders eingeprägt haben sich mir der Gang zum Wormser Güterbahnhof mit dem Gepäck des Vaters und das Bild der vielen Soldaten die dort auf die Abfahrt warteten.
Sein erster Standort war Saarlouis, wo er mit anderen Kameraden zum Pionier ausgebildet wurde, bevor er in Nordnorwegen zum Kriegseinsatz kam. Den Krieg direkt erlebt hat meine Familie bei den Luftangriffen der Alliierten. Als Folge davon wurde von Staats wegen die Evakuierung ganzer Schulklassen aufs Land angeordnet. Da meine beiden Schwestern in Osthofen und ich in Bechtheim in einer Gastfamilie untergebracht werden sollte, beantragte unsere Mama gemeinsam mit uns dreien evakuiert zu werden. Dem Ersuch wurde stattgegeben und so wurden wir zu viert mit dem nötigsten Teil unseres Mobiliars nach Bechtheim in eine Dachgeschosswohnung eingewiesen. Von den nächtlichen Luftangriffen bekamen wir auf dem Land außer dem Dröhnen der Flugzeugmotoren, wenn die Pulks zur Bombardierung über das Gebiet flogen, nur wenig mit. Der Einmarsch der Alliierten 1944 ist mir genauso in Erinnerung als sie mit den Militärfahrzeugen und Soldaten von Westen kamen in Richtung Rhein durchmarschierten. Es herrschte in dieser Zeit absolute Ausgangssperre. Schule, und sonstige gesellschaftliche Aktivitäten fanden nicht statt. Es war nicht möglich ohne ausdrückliche Erlaubnis der Besatzungsmächte das Haus zu verlassen. Das gesellschaftliche Leben war auf die eigenen vier Wände begrenzt. Sehr wichtig war der Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe in der Familie in der s. g. Hausgemeinschaft, in der Verwandtschaft und dem Freundeskreis, soweit man zusammen kommen konnte. Als Ende des zweiten Weltkrieges sehe ich heute die Rückkehr meines Vaters im Oktober 1947 an. Er hatte in Nordnorwegen beim Minenräumen den linken Fuß verloren und wurde erst nachdem er transportfähig war in ein Lazarett nach Hamburg gebracht und von dort aus nach Hause entlassen.
Es war eine entbehrungsreiche und z. T. gefährliche Zeit (Luftangriffe bombennächte), die wir gegen Kriegsende (in der Stadt) manchmal 24 Stunden im Luftschutzkeller verbringen mussten. Abgesehen davon, dass wir keine Schule oder Hausaufgaben hatten, war auch an spielen und toben nicht zu denken. Die vielen Tage die wir hungern mussten nicht zu vergessen. Möge das Schicksal alle Menschen vor einem solchen Erlebnis bewahren.