Gymnasium Kirn

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Logbuch der Morgana

Harlingen: Sonntag, den 28. Mai

Wir liegen im Hafen von Harlingen. Über uns tobt gerade ein Orkan. Unser 1. Offizier Wendling hat uns heute abend jeglichen Land- bzw. Deckgang verboten. Heute ist unser erster Tag als Matrosen. Wir Landratten wurden nach stundenlanger Busfahrt direkt auf unsere Seetauglichkeit getestet. Die meisten bestanden diesen Test auch mit Bravour, einige wenige jedoch wurden seekrank und mußten mit Reisekaugummis und Kamillentee versorgt werden, während die anderen auf Deck rumsprangen und Titanic spielten ("Eisberg/Orkan voraus!").    Jetzt liegen wir also in unseren winzigen Kajüten und obwohl über uns ein schrecklicher Orkan (?) sein Unwesen treibt, merken wir schon nichts mehr davon, während wir im Schein einer Öllampe sehnsuchtsvolle Briefe an unsere Liebsten zu Hause in der Ferne schreiben!

Stavoren: Montag, den 29. Mai

Heute sind wir zum ersten Mal in See gestochen! Die meisten von uns Leichtmatrosen haben sich sogar als "Ijsselmeer - Hochsee-tauglich" erwiesen. Heute hatten wir auch unseren ersten Landgang. Wir haben uns gleich ordentlich mit "Seemannstrank" eingedeckt, denn das Wetter kann ja immer mal wieder umschlagen und es kann wieder so kalt werden wie gestern. Dann muss halt was Warmes wie Cappucino her!!! Entgegen aller Gerüchte wurden wir übrigens nicht zum Deckschrubben verurteilt, obwohl man den Tag ja bekanntlich nicht vor dem Abend loben soll, und wer weiß? Vielleicht fällt das ja unseren eifrigen Vögeln (Sch...drosseln, Spaßvögel, ...) zu !    Doch vorerst begnügte sich der Maat damit, uns Landeiern beizubringen, wie man das Schiff erfolgreich über Wasser hält. Das einzige Problem ist nur, das Seeluft nicht nur müde, sondern auch durstig macht, aber das ist ein anderes Kapitel! Trotzdem haben wir mit 26 Leuten dann das geschafft, was unser Maat vermutlich alleine schneller hinbekommen hätte: wir haben es geschafft, die Segel mehr oder weniger selbständig hochzuziehen! Außerdem haben wir hierbei auch viele schöne neue Schimpfworte gelernt, wie zum Beispiel "Du Pik-nicht-Hochzieher" oder auch "Du Hinterdeck-Rumlungerer", etc.    Außerdem haben wir festgestellt, dass ein echter Seebär, bzw. -hund nicht Gassi gehen muss - er benutzt ganz einfach das Deck! Alles in allem war der Tag so genial, dass ich mir einen Anker "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" tätowieren lasse.

Sneek: Dienstag, den 30. Mai

Meine Befürchtungen bzgl. des Deckschrubbens haben sich immer noch nicht bestätigt. Wir haben statt dessen einen Freiwilligen gefunden. Dennoch glaube ich, dass die frische Seeluft einigen nicht bzw. zu gut bekommt, denn ihnen wachsen schon Haare in der Staatsfarbe: Oranje !
Vorwiegend der weibliche Teil unserer Besatzung nutzte unser schönes Wetter heute zum Sonnen. Andere Teile der Besatzung zogen es vor, sich heute Abend mit Waffen (Riesen- wasserpumpguns) zu versorgen, um sich im Falle eines Falles gegen gemeine Piraten verteidigen zu können. Erste Schussübungen auf die Besatzung wurden von unseren Ersten Offizieren Wendling und Müller jedoch unterbunden. Anschließend wurde sowohl in zünftigen Seemannsspelunken, wie auf auf/unter Deck mehr als "'ne Bottle voll Rum" vernichtet und mehr als einer will sich endlich einen Anker tätowieren lassen...!

Terschelling: Mittwoch, den 31. Mai

Heute segelten wir die Kanäle weiter rauf in neue Hoheitsgewässer (Nordsee), die wir nach unzähligen Brücken endlich erreichten.
Das einzige Problem war nur, das anscheinend niemand so recht wusste, wohin es denn überhaupt gehen sollte. Und unser Skipper hüllte sich in eisiges Schweigen...!
Letztendlich hatten wir die Möglichkeiten etwas eingegrenzt, was ziemlich schwierig war, weil jeder irgendwie etwas Anderes sagte.

"So liebe Morgana, jetzt mußt du dich entscheiden, willst du..." :

    • Kandidat 1: Harlingen, die Stadt in der wir losgesegelt sind und in der wir trotzdem noch nicht richtig waren

    • Kandidat 2: Texel, die schöne Insel mit der Disco

oder

    • Kandidat 3: Terschelling, wo's dann letztendlich auch hinging.

Keine schlechte Wahl, wie die Besatzung bestätigte. Bevor wir jedoch abends im Hafen uns unseren Männern/Frauen an den Hals warfen, galt es noch einige Abenteuer zu bestehen! Zum Beispiel hatten sich unsere Neuwaffenbesitzer in den Kopf gesetzt, ihr Schießtraining (Manche sagen auch: "Scheiß Training" dazu.) fortzusetzen. Um ihre Schießübungen zu rechtfertigen mußten wir, die hilflose, verstockte Restbesatzung die schrecklichen, grausamen Piraten mimen. Da unsere Blümchen-Herzchen-Flagge an Bord uns irgendwie unpassend erschien, entwarfen wir zu diesem Zweck dann auch die ultimative, hochmoderne Piratenflagge des neuen Jahrtausends: Der doppelgewölbte-2-Seilhalter (Manche behaupten, es wäre ein BH gewesen - was ich aber hiermit ausdrücklich dementieren möchte!)

Doch auch als wir endlich anlegten war der Schrecken für einige noch nicht vorbei! Wie zum Beispiel für unseren ersten Offizier Wendling, die feststellte, dass die 3 Jahre Mathe bei ihr nur bedingt bei den Schülern gefruchtet haben.

( Zitat Skipper: "Wir sind ja nur 7 Monate im Jahr auf dem Schiff !"
          Schüler: "Und was macht ihr die restlichen 8 Monate ???" )

Und auch Julia stand eine Heidenansgt aus, als der Maat sie mit einer Angel verwechselte und sie sich plötzlich kopfüber, 10 cm über der Wasseroberfläche, wiederfand.
Aber das war nichts gegen die Tanzversuche morgens unter Deck. Ich wußte ja schon immer, dass Schwule bei den Matrosen weit verbreitet sind, aber das Mann nach 3 Tagen schon anfängt mit Kerlen zu tanzen, obwohl doch genug weibliche Besatzung an Bord ist, bleibt mir unverständlich.

Na ja: Ein kleiner Schock am Morgen, und abends dann doch für Stimmung sorgen...! Gesagt, getan: Wir veranstalteten eine kleine Strandfete (mit 6 Mann, na klasse!).
Zu fortgeschrittener Stunde begab sich dann unser erster Offizier Müller in unsere illustre Runde unter Deck, um uns mit altem Seemannsgarn zu verzaubern  (Man könnte es auch einen einfachen Taschenspielertrick nennen, aber das was mir dann doch zu gewöhnlich.)

Makkum: Donnerstag, den 1. Juni

Ich bin mir ziemlich sicher, dass da jemand etwas falsch verstanden hat, als ich am Sonntag schrieb, dass wir die Titanic nachspielen würden. Denn auch wir wurden heute gerammt! Nur das es bei uns kein Eisberg war (Gibt's die überhaupt in der Nordsee?), sondern ein kleines Segelboot, und das wir abgesehen von ein paar kleinen Schrammen nicht viel abbekamen. Das andere Boot hatte da etwas mehr Pech. Ich denke, es muss sich bei Otto-(Boots-)Versand ein neues Segel bestellen und das passende Deck und den Mast gleich dazu!
Na gut, wenn ich's mir so recht überlege, hatten wir etwas mehr Glück als die Titanic, denn bei uns haben alle überlebt. (Bis auf diejenigen, die vor lauter Schreck einen Herzinfarkt bekamen, als sie den Knall hörten und den Schlag gegen den Bootsrumpf spürten, den dieses kleine Pimpfboot verursacht hatte!)
Sonst passierte an diesem Tag nicht viel. Doch dann kam der nächste Hafen, und wir zeigten der ansässigen Bevölkerung mal, wozu deutsche Segel-Matrosen fähig sein können. Wir brachten ihnen bei, was wirklich gut ist: "Hamsterbadewannen"!!! (Was sich dahinter verbirgt, bleibe unser persönliches 10b-Geheimnis.) Ich weiß nicht, aber irgendwie ernteten wir überall nur Kopfschütteln, egal ob bei der "La Ola" für den Kellner, Stimmungsliedern in Makkums West (Es ist schon erstaunlich, auf was für Ideen man dabei kommen kann.) oder auf dem Weg zum Schiff (Man konnte fast denken, die Einheimischen hätten noch nie eine Polonäse gesehen!)

Na ja, auf Deck wurde uns dann spätestens allen klar, dass dies ja schon unser letzter Tag als Leichtmatrosen auf der Morgana war. Unsere Seesäcke wurden gepackt und für diejenigen, die keine Anstellung als Matrosen an Bord finden konnten, war es dann wirklich die letzte Nacht mit durch Wellen bedingtem Seegang! (Es ist übrigens ein Gerücht, das bestimmte Leute das Gefühl jetzt schon so vermissen, dass sie ein Seegang-Revival-Festival planen!) An diesem Abend fielen alle Schranken, das Schiff war unser! Wir saßen kreuz und quer an und später unter Deck verstreut. Und das wir im "Seemannslieder- zum-besten-geben" zur Weltspitze gehören, ist ja auch nicht Neues! Ein Matrose unserer Besatzung, der anscheinend aus der Karibik kommt, brachte uns einen seiner Stammestänze bei: Limbo! Ergebnis: Wir kürten den Meister und alle hatten 'ne Menge Fun! Wir fielen irgendwann alle todmüde in die Kojen, denn am nächsten Tag hieß es ja: zurück segeln nach Harlingen!

Irgendwo zwischen Harlingen und Kirn: Freitag, den 2. Juni

So, das war's jetzt also! Unsere Zeit auf der Morgana ist vorbei! Schade eigentlich, denn wir hatten soviel Spaß und haben so viel gemeinsam unternommen, mehr als man das in irgendeiner Jugendherberge und auf etlichen Museumstouren haben kann. Und als Souvenir gab's noch ein Schwanken gratis. Denn wenn man erstmal vom Schiff runter ist, dann muss das Wackeln nicht unbedingt aufhören...!

Heute Morgen hatten wir dann schon wieder einen Sturm (Ich frag mich echt, wo diese Wetterschwankungen herkommen!) und zum letzten Mal wurden wir in die Verantwortung genommen, d.h. das Schiff mit auf Kurs zu halten, während unter Deck schon angefangen wurde, " klar Schiff " zu machen. Pünktlich zur Ankunft im Hafen schien dann auch die Sonne wieder. Und ich denke, dass mir jeder zustimmt, dass diese Klassenfahrt das Beste war, was uns je passieren konnte! Wir kamen plötzlich alle miteinander klar, und Leute, die sich vorher nie leiden konnten, sind mittlerweile Freunde geworden.

Außerdem haben wir allen bewiesen, dass wir gar nicht so schlimm sind wie unser Ruf:

Denn die Morgana schwimmt ja noch !