Gymnasium Kirn

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"Junior"-Unternehmen "powerplants"

Wir, die 17 Schülerinnen und Schüler des jetzigen 12er-Leitungskurses Sozialkunde von Herrn Heß, hatten letztes Schuljahr das Vergnügen, im Namen unserer Schule am „JUNIOR“-Projekt des Instituts der Deutschen Wirtschaft teilzunehmen. In dessen Rahmen gründen Schüler zu Schuljahresanfang ein Unternehmen, müssen eine Organisationsstruktur und Geschäftsidee entwickeln, ein Startkapital durch den Verkauf von 90 Aktien á 10€ aufbauen, Buchführung und Sitzungsprotokolle monatlich einreichen und wenn all diese und noch viele Aufgaben mehr hinreichend ausgeführt worden sind, darf man sich zu den 10 rheinland-pfälzischen „JUNIOR“-Unternehmen zählen, die jedes Jahr Anfang Mai in Mainz zum Landeswettbewerb antreten. Aber bis dorthin lag ein langer, anstrengender Weg vor uns, der aber mit unzähligen bleibenden, wertvollen Erfahrungen, Eindrücken und Erinnerungen verbunden ist.

Am Anfang stand für uns die größte Frage im Raum - die nach unserer Geschäftsidee. Die besten Ideen bekommt man meistens dann, wenn man sie nicht (mehr) braucht, allerdings nie dann, wenn man auf sie angewiesen ist und so ging es uns auch. Wir haben zur Findung unserer Idee, dem „Self-Watering Pot“, wie er heißen sollte, die komplette Zeit vom Schulbeginn bis zu den Herbstferien gebraucht, inklusive dem Bau eines Prototyps letztere auch noch, sodass wir nach vielen Tüfteleien rund um das Durchtrennen und anschließende Bearbeiten der Glasflaschen genau eine Woche vor dem Elternsprechtag mit der Produktion unseres Produkts beginnen konnten; doch die viele Zeit, die wir in die Findung und Entwicklung unserer Idee auf Kosten des Stresspegels investiert hatten, sollte sich bezahlt machen.

Die Funktionsweise basierte auf dem Prinzip der Kapillarkraft, wobei wir die Hälse der durchgeschnittenen Weinflaschen mit einem Korken versahen, der ein Loch, durch das ein Wollfaden gezogen wurde, besaß, und jene umgedreht in das mit Wasser befüllbare Unterteil der Flasche setzten, sodass eine Pflanze, die im Oberteil sitzt, sich durch den Faden selber bewässern kann. Um auch zusätzlich optische Akzente zu setzen, brachten wir an die Flaschenböden LEDs an, sodass deren Lichteffekte durch das Glas kunstvoll gebrochen und reflektiert wurden, was besondere Eindrücke bei den ersten Kunden am Elternsprechtag hinterließ. Um neben unseren 900€ Startkapital weitere Gelder, die wir dringend für den Einkauf von Materialien benötigten, aquirieren zu können, war v. a. unsere Marketingabteilung um Jan Hartmann gefragt, die sich um die Werbeträger kümmerte; hierbei gilt unser Dank nochmals allen, die uns unterstützt haben, besonders aber der Simona und Bito für ihre späteren Bemühungen, uns beim Transport unserer Utensilien nach Berlin zu unterstützen. Zunächst konnten wir aber, nach vielen positiven Resonanzen aus unserem schulischen und bekanntschaftlichem Umfeld, auch auf den Weihnachtsmärkten in Kirn sowie beim Autohaus Dinig sowohl erste wirtschaftliche Erfolge als auch solche in Bezug auf unseren Bekanntheitsgrad durch Kontakt mit der Presse und unseren Internetauftritt, der sich zunehmender Bekanntheit erfreute, erzielen. Stolz, aber auch erleichtert über das unmittelbare Bevorstehen der Weihnachtsferien waren wir, als wir diese ersten greifbaren Ergebnisse unserer Arbeit als Team im Rahmen der ersten Hauptversammlung am 20.12.2016 unseren Aktionären präsentieren konnten, womit wir zufrieden Bilanz aus unserem aufregenden, ersten Geschäftshalbjahr zogen.

Angekommen im Jahr 2017 waren vielmehr die ersten Vorbereitungsschritte auf den Landeswettbewerb, der am 9. Mai in der ISB in Mainz stattfinden sollte, taktgebend, als etwaige Bemühungen, sich um Verkaufsmöglichkeiten zu kümmern, da wir ja durch das Weihnachtsgeschäft gute Gewinne erzielt hatten, was rückblickend aus meiner Sicht zu unbedacht war, da uns der Wettbewerb enorm viel Geld kosten sollte. Mit noch größerer Hingabe als am Anfang des Schuljahres, als es noch um die Findung der Geschäftsidee ging, investierten wir nun viel Zeit darin, Ideen und Anregungen für die Stand- und Bühnenpräsentationgestaltung zu sammeln sowie Ende Februar die Texte für den den Geschäftsbericht, der ein wichtiges, nicht zu unterschätzendes Bewertungskriterium beim Landeswettbewerb darstellt, zu schreiben. Da außer unseren wöchentlichen Sitzungen in dieser Zeit kaum nennenswerte Aktivitäten stattgefunden haben, will ich lieber über die Zeit unmittelbar vor dem Landeswettbewerb sprechen, die neben der Schule für mich, und ich denke, für viele andere von uns ebenso, eine enorme Arbeitsbelastung war, die sowohl das Team als auch einen selbst auf eine regelrechte Zerreißprobe stellte. Wenn ich das Jahr für mich Revue passieren lasse, fallen mir besonders die Planung und der Bau unseres Präsentationsstands für den Landeswettbewerb, der aufgrund seiner soliden und durchdachten Konstruktion aus Holz viel Planungszeit und Arbeit, aber auch viel Geld, um genau zu sein, über 400€, verschlugen hat, ein sowie der Geschäftsbericht, seit dessen Layouten und kurzzeitigem Verschwinden von meinem PC ich ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber Microsoft Word entwickelt habe, und vor allem das Vorbereiten und Proben der Bühnenpräsentation. Dafür hatte Jan, unser Marketingleiter, mit unserem zweiten Jan einen kurzen Imagefilm komplett selbst produziert, den wir am Wettbewerb in eine lockeres, rollenspielartiges Gespräch zwischen zwei Pflanzen Mit Jan und mir als Vertreter unserer Firma einbinden konnten, weil wir einfach ein verkrampftes, langweiliges Vortragen förmlicher Phrasen verhindern wollten. Ein weiteres Anliegen von uns war es, unserer Produktpalette zu erweitern, wozu wir auch wieder viele Wochen Ideen sammelten. Am Ende konnten wir dank der großen Hilfe von Herrn Vitalij Trojan unseren „Power Cube“ präsentieren, einem aus buntem Kunststoff gefertigtem Würfel, in dem durch entsprechende Bohrungen drei Reagenzgläser, die auf einer RGB-LED als Sockel stehen und mit Schnittblumen bestückt werden können, Platz finden. Herr Trojan war als Schreiner maßgeblich für die Fertigung der Würfel, wofür er große Teile seiner Freizeit investiert hat, verantwortlich. Darüber hinaus haben wir viel Liebe in unzählige Details gesteckt, wie z.B. unserer einheitlichen Kleidung, der optischen Konzeption und Ausgestaltung der Standwände und nicht zu vergessen die Frage, wie wir unser ganzes Material, v.a. den Stand mit seiner Höhe von 2,50m, nach Mainz bekommen. Dabei hat uns mein Papa, Harald Schönberger, geholfen, der an diesem Tag mit dem Stand auf dem Autoanhänger nach Mainz gefahren ist, dafür und auch für die große Hilfe beim Standbau mit seiner Genauigkeit und handwerklichem Geschick ein großes Dankeschön an dieser Stelle!

D er 9. Mai 2017 war gekommen, als wir früh am Morgen beim Aufbau im Foyer der ISB feststellen mussten, dass die von „JUNIOR“ angegebene Standbreite der bereits vorhandenen Stellwände, in die unser Stand als Verkleidung hineinsollte, nicht 2,00m, sondern nur ca. 1,95m betrug, was wir aber, weil wir früh vor allen anderen da waren, durch leichtes Beiseiteschieben der Nachbarwände ausgleichen konnten. Diesen anfänglichen Schock schnell überwunden, konnten wir in Ruhe dekorieren und uns auf die drei Juryinterviews vorbereiten, die später gut verliefen. Nach einem Mittagsimbiss ging es dann auf die Siegerehrung zu, wobei wir uns zu den ersten Plätzen in Konkurrenz zu „Made in de Palz“ der BBS Rodalben sahen, die Regale aus recycelten Weinkisten verkauften. Als der zweite Platz an sie ging, waren wir vor Vorfreude kaum auf den Stühlen zu halten gewesen und die Mühen und Anstrengungen waren in dem Moment vergessen, als es hieß: „Der erste Platz geht an Power Plants.“ Aus meiner Sicht war es die mit Abstand zweitschönste Erfahrung unseres Geschäftsjahres.

Das klare Highlight stellt für mich persönlich nämlich der Bundeswettbewerb in Berlin da. In der Vorbereitung auf diesen galt es auch wieder, einiges zu erledigen, aber auch konnten wir durch den vorigen Erfolg auf dem Landeswettbewerb viel neue Erfahrungen machen, dazu allerdings später. Zuerst gab es viel zu tun, denn der Stand musste nun in der Breite eingekürzt werden, wobei wir noch einige Dinge, für die vor Mainz keine Zeit mehr gewesen war, optimieren konnten, und wir mussten uns Gedanken machen, wie wir mit 17 Leuten nach Berlin kommen, da „JUNIOR“ die Reise- und Hotelkosten nur für sieben Personen übernimmt. Hierbei hat sich unser Schulpate Herr Heß dankenswerterweise um einen Bus gekümmert und die Stadtwerke sowie die Bürkle-Stiftung unterstützten uns großzügig dabei, die jetzt zusätzlich anfallenden, enormen Kosten zu stemmen, wofür wir uns hier auch noch einmal herzlich bedanken möchten. Dank unseres Landessieges, hatten wir eine Einladung von bigFM bekommen, an einem Moderationschoaching teilzunehmen, um uns besser auf die Bühnenpräsentation auf dem Bundeswettbewerb vorbreiten zu können. Darüber hinaus haben wir nach einer Einladung zu einem Treffen der Wirtschaftsjunioren Kontakt zu Herrn Michael Buss knüpfen können, der uns sehr freundlich entgegenkam und uns im Rahmen seiner Tätigkeit als Unternehmensberater, Trainer und Coach zu einem Seminar einlud, bei dem wir viele wertvolle Tipps mitnehmen konnten, was Auftreten als Team, Rede- bzw. Präsentationsstrategien uvm. angeht. Weitere einmalige Erfahrungen waren zu dieser Zeit der Besuch von der Bundestagsabgeordneten Frau Antje Lezius, die sich bei einem Besuch unserer Schule ein Bild von unserer Arbeit als Schülerfirma machte. Kurz darauf bekamen wir n ochmals Besuch, diesmal vom SWR-Fernsehen, die einen Beitrag über uns für die Landesschau drehten (Link ist unter dem Text zu finden), wobei dies auch keine alltägliche Erfahrung darstellt, v.a. was das freie Sprechen vor der Kamera angeht. Allerdings haben wir auch dadurch, wie so oft in diesem Jahr, dazugelernt und wertvolle Erfahrungen für unser Leben dadurch mitnehmen können.

E rwähnenswert wäre als letzter Punkt an dieser Stelle noch, dass wir unseren Auftritt auf dem Bundeswettbewerb um ein weiteres Produkt ergänzen wollten, welches technisch gesehen wieder eher auf das Prinzip unseres „Self-Watering Pots“ zurückgreift. Dazu überlegten wir uns, dass sich hier eine kompaktere Variante anbieten würde, wie die dazu erstellte Konstruktionsskizze zeigt. In dem Wissen, uns gut auf den bevorstehenden Bundeswettbewerb, der am 22.06. im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin stattfand, gut vorbereitet zu haben, mussten wir am Abreisetag, dem 21.06., früh morgens beim Beladen des Busses feststellen, dass der Stand wieder mal etwas zu groß war. Nach anfänglicher Panik und geschicktem Verstauen der Koffer, konnten wir diesen aber doch im Gepäckraum unterbringen und mit einiger Verspätung in Richtung Hauptstadt aufbrechen. Kurz vor unserem Ziel gerieten wir dann nochmal in mehrere Staus und hätten es um ein Haar nicht mehr geschafft, noch rechtzeitig ins Ministerium zum Aufbau zu kommen, was letzten Endes aber doch punktlandungsmäßig klappte. Am Abend war für alle Wettbewerbsbeteiligten eine Schifffahrt über die Spree organisiert worden, um einen Austausch mit anderen zu ermöglichen. Der Wettbewerbstag selber stellte allerdings den Höhepunkt dar: Nach den Juryinterviews und den Bühnenpräsentationen ging es dann an die Siegerehrung, wobei wir leider keinen der ersten drei Plätze erreichen konnten, was aber keinesfalls eine Enttäuschung in irgendeiner Weise zur Folge hatte, denn im Unterschied zum Landeswettbewerb, muss ich sagen, unterschied sich der Bundesentscheid v.a. in seiner weniger wettbewerbsorientierten als offenen und gemeinschaftlichen Atmosphäre, die ins besondere durch das großartige, aufwändige Programm drum herum getragen wurde. Denn nach der Siegerehrung und kurzem Hotelaufenthalt, ging es mit Bussen zum Wasserwerk am Hohenzollerndamm, einem sehr schön restauriertem Gebäude, wo ein Discoprogramm mit DJ und das Beste, ein üppiges Buffet mit einem ganzen Truthahn, den ich am liebsten alleine gegessen hätte, auf uns wartete. Am 23.06. traten wir dann mit Stolz und vielen schönen Eindrücken die Heimreise an.

Den Abschluss unseres Geschäftsjahres bildete schließlich die letzte Hauptversammlung, an der wir gemeinsam mit den Aktionären stolz auf ein erfüllendes, aber auch anstrengendes Jahr, dessen Erfahrungen und große persönliche Fortschritte, die aus meiner Sicht alle in irgendeine Richtung gemacht haben, alle Mühen wert waren. Abschließend kann ich nur sagen, dass die Zeit mir persönlich sehr viel Spaß gemacht hat und ich jedem, der Lust und Motivation hat, an diesem Projekt teilzunehmen, rate, unbedingt daran teilzunehmen und, auch wenn man in manchen Phasen Abstriche in anderen Bereichen machen muss, möglichst seine ganze Energie dort hineinzustecken und hoffentlich zum Bundesentscheid zu kommen, wobei allein das Dabeisein bei diesem eine einmalige, absolut erstrebenswerte Erfahrung ist!

Danke an alle, die uns motiviert und unterstützt haben und ohne deren Hilfe wir es nicht dorthin geschafft hätten!

Im Namen aller unserer Mitarbeiter

Julian Schönberger